100 Jahre Körperbehindertenpädagogik in Mecklenburg-Vorpommern
Wenn Paul Friedrich Scheel das wüsste....

100 Jahre Körperbehindertenpädagogik in Mecklenburg-Vorpommern


Weggesperrt, vor der Öffentlichkeit versteckt, ohne Aussicht auf Teilhabe am Leben – so
ging es vielen körperlich und geistig behinderten Kindern zu Beginn des letzten
Jahrhunderts. Davon zeugt eine Schautafel im Eingangsbereich der Landesschule für
Körperbehinderte Neubrandenburg. Und es wäre wohl noch lange Zeit so geblieben, hätte es
nicht Paul Friedrich Scheel gegeben. Der Rostocker Arzt beschloss im Jahre 1907 eine
Einrichtung zu gründen, an der behinderte Kinder nicht nur aufbewahrt, sondern betreut und
gefördert wurden.



Um dieses Jubiläum zu würdigen, beschlossen die drei Körperbehindertenschulen des
Landes eine Festwoche an ihren Einrichtungen durchzuführen. Auftakt bildete eine
Festveranstaltung im Rostocker Rathaus, zu der Herr Tesch, Minister für Wissenschaft,
Bildung und Kultur das Wort an die Pädagogen und Schüler richtete.

Viel Historisches wurde in dieser Woche gesichtet. Die Neubrandenburger Schüler
arbeiteten mit der Schulchronik, die zahlreiche Bände umfasst. Sie erforschten die
Entwicklung ihrer Einrichtung, verglichen Schüler- und Klassenzahlen, erkundeten neue
Fachrichtungen und führten ein Interview mit der Schulleiterin Frau Lück-Vicent. Interessiert
studierten sie alte Fotos und freuten sich über bekannte Gesichter ehemaliger Mitschüler
und jüngerer „Ausgaben“ ihrer Lehrer.



Höhepunkt für die oberen Klassen war das direkte Zusammentreffen mit Absolventen
unserer Schule, die schon seit mehreren Jahren fest im Leben stehen und trotz ihrer
Behinderung Ausbildung, Beruf und Familie meistern. Da war die junge Mutter, die den
heutigen Schülern Tipps für ihre Bewerbung gab, der Beikoch mit bestandenem Abschluss,
der über die Probleme auf dem Arbeitsmarkt berichtete oder die Sportlerin, die erfolgreich an
den Paralympics in Athen teilnahm. Frau Fröhnel, ehemals Lehrerin an unserer Schule,
konnte aus erster Hand vergleichen, wie sich unsere Einrichtung in den letzen Jahren
verändert hat.



Zum Abschluss des Projekttages sahen die Schüler den Film „Margarete Steiff“, der Zeugnis
davon ablegte, wie eine behinderte junge Frau in schwieriger Zeit mit Mut und Willenskraft
ihr Leben selbst gestaltete und damit ein Beispiel für andere schuf.

Bei den Schülern der Grundschule ging es dagegen recht geheimnisvoll zu. „Was haben
Eulen, Hexen und ein Rollstuhl miteinander zu tun?“ war die Frage, die sie am Vormittag
beim Malen von Hexenbildern, beim Basteln von Eulen und bei einer echten Zauberschau
beschäftigte. Die Auflösung hatte Bibi Blocksberg in ihrem Film bereit und selbst die
Kleinsten harrten gespannt bis zum Ende aus.



Tags zuvor hatten alle Schüler fantasievolle Sportwettkämpfe absolviert. Bei den
„Humorlympics“ gab es keine Verlierer, sondern jede Menge Spaß. Stiefelweitwurf,
Schubkarrenfahren, Wattepusten oder Streichholzwerfen verlangten eher Geschicklichkeit
als Kraft und der Lautstärkepegel in der Turnhalle war beim Brennballspiel Schüler gegen
Lehrer kaum zu überbieten. Lustig gestaltete Urkunden erinnern heute noch an diesen
gelungenen Tag.



An den beiden letzten Tagen der Festwoche öffnete die Landesschule für Körperbehinderte
Neubrandenburg nicht nur symbolisch ihre Türen. Besucher aus dem Ministerium für
Bildung, Wissenschaft und Kultur, aus den Ämtern der Stadt und der Landkreise nahmen
das Angebot an, sich umfassend über die Bildungs-, Freizeit- und Therapiemöglichkeiten
an unserer Ganztagsschule zu informieren.
Gleiches taten Eltern, Großeltern und Geschwister einen Tag darauf, nahmen am Unterricht
teil oder informierten sich über die Elternarbeit. Der von den Eltern gestaltete Kuchenbasar
fand viel Zustimmung unter den Gästen.



Auch im Mecklenburgischen Förderzentrum für Körperbehinderte in Schwerin und im
Rostocker Förderzentrum „Paul Friedrich Scheel“ wurde der Jahrestag mit zahlreichen
Projekten gewürdigt. Höhepunkte waren ein Fachvortrag über die Möglichkeiten der
Orthopädie früher und heute, der Besuch der Tauchschule und Experimente mit
Grundschülern, worüber die Homepage der Schule berichtet. (Paul Friedrich Scheel Schule Rostock)